Denken wir mal die Gesellschaft nach
Was mir aufgefallen ist
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Schnelles Essen. Die Menschen scheinen zu Hause nichts mehr zu Essen zu haben. Die Fußgängerzonen sind voll mit kleinen Geschäften, die Lebensmittel zum sofortigen Verzehr anbieten. Und diese Geschäfte sind immer gefüllt. Kein Wunder, dort gibt es eine mit Käse überbackene Brezel für 2,50 Euro.
Stand: 08.12.2005
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Offene Schaufenster. Die Frisöre haben damit angefangen, als sie vor einigen Jahren damit begonnen haben, ihre Kunden ins Schaufenster zu setzen und ihnen dort die Haare zu waschen, zu schneiden und zu fönen. Die Kunden scheinen das zu mögen.
Andere Branchen sind nachgezogen. So gibt es heute viele, ja, was ist es denn? Es sind keine Geschäfte, es sind keine Cafes. Es sind Räume, in denen die Menschen etwas trinken und eine Kleinigkeit essen können. Die Kleinigkeiten sind so klein, dass es sich oft nicht lohnt, sich hinzusetzen. Viele diese Geschäfte haben gar keine Sitzgelegenheiten. Wenn es welche gibt, haben die Tische für vier Personen eine Größe, an der eine Person gerade so Platz hätte. Die Menschen ziehen im Winter auch oft die Jacke nicht aus. Sie essen, sie trinken und sie gehen wieder. Dabei sitzen sie in einem Schaufenster und lassen sich von den Passanten beobachten.
Und im November 2005 habe ich in Gotha eine weitere Steigerung gesehen. Ein Kleidergeschäft, bei dem man von außen einen unverstellten Blick auf die Umkleidekabinen hat. Der Passant kann sich an die Straße stellen und die Menschen beobachten, wie sie neue Kleider anprobieren.
Diese drei Beobachtungen ließen sich kombinieren: Ein Frisör, bei dem man sich die Wartezeit im Schaufenster bei einer Tasse Kaffee verkürzen kann und dabei einen freien Blick auf die Umkleidekabine im Geschäft gegenüber hat.
Stand: 08.12.2005
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Frieren. Einerseits frieren die Menschen bei uns immer mehr — Frauen ohnehin mehr als Männer. Andererseites stellen sich immer mehr Menschen in die Kälte, um zu Essen und zu trinken. Bei einem Bummel über den Weihnachtsmarkt gehört das dazu. Aber die Kunden scheinen dies auch bei anderen Gelegenheiten zu mögen. Ich beobachte das bei Bäckereien, Cafes, Schnellimbissen. Draußen vor der Tür sind Stehtische und Sitzgelegenheiten. Und die Menschen stehen und sitzen dort auch bei Minusgraden.
Stand: 08.12.2005
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Frische Brötchen. Die Deutschen scheine frische Brötchen zu lieben – besonders Sonntags Morgens. Und dann stehen sie früh auf – besonders die Männer – und pilgern zu den Bäckereien und zu den Tankstellen. Die Männer sind meist verschlafen und gehen im Schlafanzug einkaufen. Im Schlafanzug? Ja, im Schlafanzug. Die meisten dieser Männer haben einen Jogginganzug an. Das betont deren sportives Outfit. Für den Durchschnittsmann aus den sog. bildungsfernen Schichten ist der Jogginganzug auch gleichzeitig der Hausanzug und der Schlafanzug. Die Männer stehen also in der Schlange an der Bäckerei. Manche Schlangen enden vor der Tür, vor der Treppe, auf der Straße. Und irgendwann kommt der Mann dran und kann seine warmen Brötchen kaufen. 50 Cent pro Stück gibt er dafür gerne aus.
Wer keine Bäckerei in der Nähe hat, fährt zur Tankstelle.
Stand: 08.12.2005
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Tankstellenkaffee. Seit Jahren beobachte ich die Veränderungen der Tankstellenwelt. Früher konnte und musste man eine Ausbildung absolvieren, um Tankwart werden zu können. Heute wird diese Arbeit oft von Studenten und südosteuropäischen Frauen erledigt. Die südosteuropäischen Frauen sind meist nicht alleine in der Tankstelle. Der Lebensabschnittspartner hält sich stundenlang an einem Stehtisch und einer Tasse Kaffee fest und warm und passt auf seine Lebensabschnittspartnerin auf.
Er ist meist nicht alleine an der Tankstelle. Es gibt weitere Stehtische. Und egal zu welcher Uhrzeit, egal, an welchem Wochentag: Dort stehen immer Menschen, meist Männer an den Tischen und trinken einen Kaffee. Manche dieser Männer schaffen es in der Stunde, in der sie dort sehen bis zu vier Zapfsäulen zu blockieren.
Warum trinken sie ihren Kaffee an der Tankstelle? Was ist der USP der Tankstelle? Welchen Reiz hat das Trinken von lauwarmen Kaffee aus einem Pappbecher an einem Stehtisch an einer Tankstelle? Nach jahrelangem Nachdenken habe ich eine These gefunden: Es ist der Duft. Die Luft ist erfüllt von frisch gebrühtem Kaffee und von frisch gezapften Treibstoff.
Stand: 08.12.2005
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Tomatensaft. Während Flügen wird besonders viel Tomatensaft getrunken. So viel Tomatensaft, wie auf Flügen, wird sonst nirgendwo getrunken. Wann haben Sie zuletzt in der Öffentlichkeit einen Tomatensafttrinker gesehen? Aber im Flugzeug. Da sind sie. Da gibt es eine Klumpenbildung. Und sie bestellen Tomatensaft. Und sie trinken ihn, tapfer, ohne das Gesicht zu verziehen.
Nach dem Flug, nach dem Aussteigen verhalten Sie sich wieder vollkommen normal. So, als wäre während des Fluges nichts besonderes passiert.
Stand: 03.10.2006
Stand: 03.10.2006
Stand: 08.12.2005